Ein Sprung durch die Zeit

Ich springe heute raus aus der Chronologie mit der ich angefangen hab und die ich fortsetzen werde, wenn wieder Zeit dazu ist.

Momentan überschlagen sich die Ereignisse und ich habe das Gefühl, von Samstag zu Samstag zu leben. Von einer Übergabe meiner Tochter an den Vater zur nächsten. Die Übergaben waren mal normal. Wir haben uns freundschaftlich unterhalten und uns über unser Kind und das Leben ausgetauscht. Momentan sind sie ein reiner Kampf gefüllt mit Hass.

In den letzten Jahren habe ich sehr gekämpft. Wir haben uns im August 2022 getrennt – da war unsere Tochter gerade mal 10 Monate alt. Der Vater meines Kindes ist geschieden und hat 4 Kinder aus der ersten Ehe. Als wir auseinandergingen (ich habe ihn aufgefordert auszuziehen, weil ich das Leben mit ihm nicht mehr aushielt), blieb ich alleine zurück mit dem Kleinkind, musste Vollzeit arbeiten, meine damals 64jährige Mutter sprang mir zur Hilfe und übernahm die fordernde Aufgabe, zwischen 50 und 60 Stunden wöchentlich auf meine Tochter aufzupassen, weil es für einjährige Kinder in unserer Umgebung keine Fremdbetreuung gab. Abgesehen davon hätte ich auch ein Problem damit gehabt, ein so kleines Kind in fremde Hände abzugeben.

Dort, wo ich wohne, sind Wohnungen sehr teuer und ich musste mich mit meinem moderaten Gehalt wirklich durchkämpfen. Ich besitze im Ausland eine Immobilie, die damals vermietet war, aber wenn ein Mieter auszog und der nächste einzog, musste ich ins Ausland, alles wieder in Schwung bringen und dann erst einen neuen Mieter finden. Dies alles mit Vollzeitjob, beschränkten Urlaubstagen und Kleinkind, welches oft krank war.

Vom Vater des Kindes forderte ich keine Alimente und er bot von sich aus auch absolut nichts an. Ich hatte ihm, 2 Tage bevor er aus der gemeinsamen Wohnung auszog (was absolut nicht absehbar war), 6.500,- Euro geliehen, damit er sich einen Gebrauchtwagen kaufen konnte, da er gerade einen neuen Job in einer anderen Stadt angenommen hatte und sein altes Auto nicht mehr fahrtüchtig war. Er zog dann genau in die Stadt, in welcher er den neuen Job gefunden hatte.

Ich wusste damals nicht, dass er für seine anderen 4 Kinder lediglich ca. 500,- bis 600,- Euro Alimente zahlte. Ich wusste auch nicht, dass er einen Lohn in Höhe von 2.900,- Euro ausgehandelt hatte. Trotz der Situation, in welcher ich selbst steckte, bemitleidete ich ihn permanent. Er schien schwer durchs Leben zu kommen, deutete stets an, kein Geld zu haben. Dabei war mein Gehalt weitaus geringer als seines (trotz Vollzeitarbeit und vielen Überstunden und trotz Mieteinnahmen aus dem Ausland), meine Wohnung war teurer, ich zahlte die Kinderkrippe und alles, was unsere Tochter benötigte. Aber er hatte mich so weit gebracht, ihn dauernd zu bemitleiden und für seine Situation Verständnis zu haben.

Seine Tochter durfte er bis Ende 2023 JEDERZEIT sehen. Dann kam eine Zeitspanne, wo er begann, seine Besuchszeiten immer öfter ausfallen zu lassen bzw. zu verkürzen. Wir kamen an einen Punkt, wo er stets nur für 15 Minuten „hereinschneite“ und dann wieder verschwand. Unser Kind, das bis vor Kurzem gemeinsam mit beiden Eltern gelebt hat, war nach diesen Kurzbesuchen jedes Mal sehr aufgebracht und durcheinander. Der Papa fehlte ihr, wenn er so kurz kam und gleich wieder ging.

Ich habe ihm im November 2023 diese Kurzbesuche nicht mehr erlaubt, sondern habe von ihm gefordert, dass er mir einen Brief schreibt und unterschreibt, wie und zu welchen Zeitpunkten er sich verbindlich um das gemeinsame Kind zu kümmern beabsichtigt. Dies wurde seinerseits verweigert. Stattdessen hat er mir mitgeteilt, er wäre zum Gericht gegangen (zu einem, welches gar nicht für unser Kind zuständig war) und würde ICH dort nicht mit einer fertigen Vereinbarung meinerseits am kommenden Dienstag erscheinen, würde der Richter anordnen, dass man mich vorführt. Dies klang für mich absolut unlogisch und ein Anruf beim Gericht klärte, dass dies auch nicht wahr ist. Er hatte eine kostenloste Beratung in Anspruch genommen – mehr aber auch nicht.

Im Dezember 2023 habe ich aufgrund seines unverschämten Verhaltens die Alimente angefordert und er hat darum angesucht, unser gerade mal zweijähriges Kind einen Tag pro Woche zu sich nach Hause mitnehmen zu dürfen (bisher fanden die Besuche bei mir zuhause statt – er unternahm aber vieles alleine mit dem Kind und ich ließ ihn auch bei mir zuhause alleine mit seiner Tochter). Vor Gericht verhielt er sich wie ein geprügelter Hund, der regelrecht von mir misshandelt wird. Er sprach kein Wort zu mir, schaute zu Boden, zutiefst bedrückt, tat, als hätte er nichts, als wäre er „arm“. Obwohl die Situation zwischen uns so künstlich und unnatürlich erschien (denn zuhause unterhielten wir uns eigentlich alle paar Tage über das Fortsetzen unserer Beziehung und darüber, dass wir es noch miteinander versuchen wollten), tat er mir unglaublich leid. Im selben Monat rund um die Gerichtstermine saß er zusammen mit uns zuhause, wir warteten auf den ersten Nikolausbesuch unseres Kindes und freuten uns mit ihr. Wir schmückten zusammen den Weihnachtsbaum bei uns daheim und feierten Weihnachten. Als er mit seinen Kindern aus der ersten Ehe Weihnachten feierte, schickte er uns Fotos und die Stiefgeschwister meines Kindes telefonierten gemeinsam mit dem Papa mit unserer Tochter und mir.

Interessanterweise tat er JEDEM Leid, den wir während dieses „Prozesses“ trafen. Dabei hatte er zu diesem Zeitpunkt ein Gehalt von 2.900,- Euro netto, geringe Mietkosten und vergleichsweise sehr geringe Alimente für die anderen Kinder. Selbst die Sachbearbeiterin vor Gericht sagte mir „Er ist ja soooo arm.“ und bearbeitete mich, damit ich mich auf die geringsten Alimente überhaupt einigte. 150,- Euro monatlich (ab 01.01.2024), rückwirkend nichts, denn er war ja so bemitleidenswert. Niemand überprüfte sein Einkommen.

Er hatte keinerlei Verpflichtungen, ging aus, trank, genoss sein Leben wie ein Junggeselle. Er hatte Abos auf diversen Dating-Apps (was ich später erfuhr) und ließ es sich gut gehen. Manchmal, wenn unser Kind krank war, passte er mal 2 Tage auf, aber sonst war er für nichts verantwortlich und rief man ihn in einem Notfall dazu, hatte er schlicht kein Interesse.

Im Zuge der Besuchsregelung und der Einigung über die Alimente schickte uns das Gericht zu einem „Clearing“ bei der Familiengerichtshilfe. Dort fungierte ein Psychologe als Mediator zwischen uns und stellte sich von Beginn an komplett auf seine Seite. Alles, was ich sagte, war unglaubwürdig. Was auch immer er sagte, wurde ihm geglaubt. Er behauptete, ich würde ihn zuhause in meiner Wohnung zusammen mit dem Kind einsperren (dabei verließ ich ganztags meine Wohnung, damit er alleine mit unserer Tochter Zeit verbringen konnte und ich überließ ihm den Schlüssel. Er spazierte mit ihr, wohin und wann er wollte und die Leute aus unserem Ort trafen ihn beim Spazierengehen mit dem Kind). Trotzdem schaffte er es darzustellen, dass ich ihn als Mutter des Kindes malträtiere.

Er durfte – abgesehen von der oben erwähnten, strittigen Periode von 1,5 Monaten – sein Kind JEDERZEIT, wenn er es wünschte, sehen und er sah es in all der Zeit bis heute ca. 3 Mal öfter, als es das Gericht festgelegt hat. Wir fuhren sogar noch immer auf alle Urlaube gemeinsam. Ich zahlte dabei das Meiste. Er ging bei uns wie ein Pascha ein und aus. Kam, wann er wollte und verließ uns oft genau dann, wenn wir ihn brauchten (z.B. wenn unser Kind krank war, nächtelang nicht schlief und ich total übermüdet war). In seine Wohnung hatte ich aber keinen Zutritt.

#3: Das Zusammenleben

Unsere Beziehung entwickelte sich sehr schnell. Für mich selbst kann ich sagen, dass ich sehr, sehr verliebt war. Er schien es auch zu sein. Wir verstanden uns sehr gut, hatten viele gemeinsame Themen, die uns verbanden und es wirkte für beide, als würden wir uns von Kindesbeinen an kennen.

Als wir nach nur 6 Monaten (davon der Großteil aus einer Fernbeziehung bestehend) zusammenzogen (was natürlich zu rasch war), war dieses Gefühl der Verliebtheit in mir sehr stark. Die Stimmung zwischen uns war von Anfang an familiär. Wir waren sehr verbunden und lachten viel miteinander. Er kam aus einer wirklich Kinderreichen Familie mit christlichem Hintergrund, er spielte auf seiner Gitarre und sang mir oft christliche Lieder, von denen ich viele kannte und die uns auf eine besondere Art und Weise verbanden. Das imponierte mir, denn ich träumte von einer Familie mit ihm. Irgendwie ignorierte ich in der Verliebtheit alle Warnzeichen, die bereits an die Oberfläche geschwommen waren.

Rasch bemerkte ich, dass er sich eigentlich sehr wenig für meine Persönlichkeit interessierte, während ich mir Dinge, die ihm wichtig waren, genau anhörte, obwohl mich so manche seiner Themen wirklich eher abschreckten, als dass sie eine Anziehung auf mich gehabt hätten. Nichts, was ich mochte, stieß bei ihm wirklich auf wahres Interesse. Wenn mir ein Film gefiel, war’s für ihn meist ein „alter Schinken“, den er eher widerwillig schaute. Die Musik, die ich bis dahin oft gehört hatte, wurde immer mehr von seiner überlagert, sodass ich am Ende überhaupt nichts Eigenes mehr hörte. Wenn ich was hörte, wurde das, wenn er heimkam, sofort abgedreht. Wenn ich über die Themen, mit denen ich mich im Studium sehr beschäftigt hatte, sprach und die eigentlich was mit seiner Herkunft, seiner Identität und seinen Interessen zu tun hatten, langweilte er sich sehr schnell und überhörte das Meiste. Wenn ich eine Behandlung, eine Zahn-OP oder Ähnliches hatte, konnte er sich keinen Tag lang an den Termin erinnern und wenn ich es in der Früh am Tag der Behandlung erwähnte, hatte er’s bis zum Abend, wenn er von der Arbeit kam, bereits schon vergessen, dass mein Termin stattgefunden hatte und dass er mich vielleicht fragen könnte, wie es mir ging.

An den Feierabenden und Wochenenden zeigte er sehr rasch, nachdem wir zusammengezogen sind, immer wieder Desinteresse, mit mir irgendwas zu unternehmen, weil ihn das meiste davon langweilte. Anfangs gingen wir noch einige Male spazieren, aber vielfältig war unser Leben wirklich nicht. Seinerseits kamen auch kaum bis gar keine Vorschläge, was wir gemeinsam unternehmen könnten. Manche unserer gemeinsamen Unternehmungen waren sehr schön, aber viele begannen mit oder endeten in einem Streit.

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#2: Wie alles begann

Ich war einige Jahre in einer Beziehung mit einem Mann, der immer wieder meinen Kinderwunsch unterdrückte und auf die lange Bank schob. Er selbst hatte (unter dem starken Einfluss seiner Mutter) allein schon vor der Idee, eigene Kinder zu haben, Angst. Die nötige Ernsthaftigkeit, die ich von einer Beziehung erwartete, fehlte mir und ich entschied mich, mich mit 35 Jahren definitiv von ihm zu trennen.

Es folgten Jahre des Alleinseins und des Suchens nach sich selbst. Ich wollte nichts überstürzen und wollte mir Zeit lassen, Fragen nachzugehen, die nun offen vor mir standen. Wer bin ich eigentlich? Was wünsche ich mir vom Leben? Wie lerne ich jemanden kennen, der dieselben Wertvorstellungen hat und dieselben Wünsche hegt?

Unterwegs zu mir selbst, sagte mir jemand: „Man muss nicht zwanghaft nach einem Partner suchen. Man sollte sich selbst finden und sich seine Lebensziele und Wünsche vor Augen halten und diesem Weg dann folgen. Menschen mit ähnlichen Ideen und Lebenszielen werden einander erkennen und obwohl sie vielleicht unterschiedliche Wege vor sich haben, so werden sie doch nebeneinander durchs Leben zum selben Ziel schreiten und das wird sie vereinen, ohne dass sie sich selbst dabei verlieren müssen.“ Ich versuchte, mir diesen Grundsatz zu verinnerlichen.

Irgendwann habe ich mich auf einer christlichen Facebookseite angemeldet, wo sich Menschen begegnen können, die einen Partner suchen. Die Seite war enttäuschend lahm. Es tat sich dort sehr wenig. Die Leute schrieben darüber, was sie gerade kochen, wo sie gerade Urlaub machen, aber niemand schrieb wirklich Persönliches über sich selbst. Weder darüber, wer man selbst ist, noch darüber, was man den für ein Gegenüber kennenlernen möchte.

Nach mehreren Wochen des Mitlesens postete ich einen Beitrag, in welchem ich es bedauerte, dass in dieser Gruppe alles so oberflächlich schien und es keinerlei aussagekräftige Posts gab, die ein Kennenlernen zweier Menschen ermöglichen würden. Ich fragte „Warum beschreibt sich hier keiner und warum schreibt keiner, was er konkret für einen Partner sucht?“.

Zwischen den zahlreichen wütenden und anfeindenden Antworten kam auch eine freundliche, die mich aufforderte „Ok, dann fang du mal an! Was suchst du konkret für einen Partner?“ und so gingen wir zwei in eine Konversation, die sich zu immer mehr entwickelte. Es wurden Nummern ausgetauscht und wir verbrachten ganze Nächte miteinander am Telefon, sprachen über unsere Weltansichten, Wünsche und Sehnsüchte.

Es war viel zu schön, um wahr zu sein…

#1: Hallo Welt!

Ich habe in meinem Leben sehr Vieles erlebt, was niedergeschrieben hätte werden sollen. Leider peitscht der Sturm des Lebens einen oft von einem Augenblick zum nächsten und man findet keine Zeit, sich hinzusetzen und mit dem Schreiben zu beginnen. Manchmal schreibt man Fragmente in kleinen Notizen nieder und glaubt, sich später noch immer zur Gänze erinnern zu können, aber meistens kann man dann nicht mehr im Gefühl des Augenblicks schreiben, in welchem alles stattfand.

Nachdem aber viele bereits verstrichene Augenblicke doch ihre Spuren im Jetzt hinterlassen, werde ich versuchen, mich zu erinnern.

Neben diversen Lebensthemen, die für mich sehr wichtig sind, ist ein Thema, das mich aktuell sehr beschäftigt, das Überstehen der gemeinsamen Elternschaft mit einem Menschen mit stark narzisstischen Zügen. Dieses Thema ist momentan sehr präsent in den Medien. In meinem Blog biete ich keine Lösungen sondern berichte lediglich über meine Erfahrungen und die immer wiederkehrenden Muster, in denen sich das Leben mit einem solchen Gegenüber abspielt.

Ich freue mich auf einen Austausch mit euch.