#2: Wie alles begann

Ich war einige Jahre in einer Beziehung mit einem Mann, der immer wieder meinen Kinderwunsch unterdrückte und auf die lange Bank schob. Er selbst hatte (unter dem starken Einfluss seiner Mutter) allein schon vor der Idee, eigene Kinder zu haben, Angst. Die nötige Ernsthaftigkeit, die ich von einer Beziehung erwartete, fehlte mir und ich entschied mich, mich mit 35 Jahren definitiv von ihm zu trennen.

Es folgten Jahre des Alleinseins und des Suchens nach sich selbst. Ich wollte nichts überstürzen und wollte mir Zeit lassen, Fragen nachzugehen, die nun offen vor mir standen. Wer bin ich eigentlich? Was wünsche ich mir vom Leben? Wie lerne ich jemanden kennen, der dieselben Wertvorstellungen hat und dieselben Wünsche hegt?

Unterwegs zu mir selbst, sagte mir jemand: „Man muss nicht zwanghaft nach einem Partner suchen. Man sollte sich selbst finden und sich seine Lebensziele und Wünsche vor Augen halten und diesem Weg dann folgen. Menschen mit ähnlichen Ideen und Lebenszielen werden einander erkennen und obwohl sie vielleicht unterschiedliche Wege vor sich haben, so werden sie doch nebeneinander durchs Leben zum selben Ziel schreiten und das wird sie vereinen, ohne dass sie sich selbst dabei verlieren müssen.“ Ich versuchte, mir diesen Grundsatz zu verinnerlichen.

Irgendwann habe ich mich auf einer christlichen Facebookseite angemeldet, wo sich Menschen begegnen können, die einen Partner suchen. Die Seite war enttäuschend lahm. Es tat sich dort sehr wenig. Die Leute schrieben darüber, was sie gerade kochen, wo sie gerade Urlaub machen, aber niemand schrieb wirklich Persönliches über sich selbst. Weder darüber, wer man selbst ist, noch darüber, was man den für ein Gegenüber kennenlernen möchte.

Nach mehreren Wochen des Mitlesens postete ich einen Beitrag, in welchem ich es bedauerte, dass in dieser Gruppe alles so oberflächlich schien und es keinerlei aussagekräftige Posts gab, die ein Kennenlernen zweier Menschen ermöglichen würden. Ich fragte „Warum beschreibt sich hier keiner und warum schreibt keiner, was er konkret für einen Partner sucht?“.

Zwischen den zahlreichen wütenden und anfeindenden Antworten kam auch eine freundliche, die mich aufforderte „Ok, dann fang du mal an! Was suchst du konkret für einen Partner?“ und so gingen wir zwei in eine Konversation, die sich zu immer mehr entwickelte. Es wurden Nummern ausgetauscht und wir verbrachten ganze Nächte miteinander am Telefon, sprachen über unsere Weltansichten, Wünsche und Sehnsüchte.

Es war viel zu schön, um wahr zu sein…

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